Technische Varianten
Für den Leitungsbau stehen zwei technische Varianten zur Verfügung. Freileitungen und Kabel. Für 380-kV-Höchstspannungsleitungen werden üblicherweise Freileitungen eingesetzt.
Kosten
Grundsätzlich ist transpower als Netzbetreiber gesetzlich verpflichtet, notwendige Investitionen in wirtschaftlicher Weise durchzuführen. Hierdurch will der Gesetzgeber die Preise für die Netznutzung - und damit den Strompreis - möglichst niedrig halten. transpower ist beim Ausbau des Höchstspannungsnetzes offen für beide technischen Alternativen. Entscheidend ist die Anerkennung der Kosten durch die Bundesnetzagentur.
Im 380-kV-Höchstspannungsnetz sind Kabelsysteme derzeit noch deutlich teurer als Freileitungen. Das Gutachten der Universitäten Hannover und Oldenburg unter Federführung von Prof. Oswald hat für die Erdkabelverlegung für das Projekt Ganderkesee - St. Hülfe Mehrkosten in Höhe des Vierfachen der Investitionskosten für eine Freileitung ermittelt.
Technische Eigenschaften
Freileitungen sind auf der Höchstspannungsebene weit seltener von Ausfällen betroffen als Erdkabel. Die Ausfalldauer - also die Zeit von dem Ausfall bis zur Wiedereinschaltung nach erfolgter Reparatur - ist bei einer Freileitung wesentlich kürzer als beim Kabel. Zudem ist die Lebensdauer von Freileitungen, die 80 Jahre und mehr genutzt werden können, etwa doppelt so hoch wie die von Kabeln.
Eine Kabelleitung ist im vermaschten Freileitungsübertragungsnetz ein Fremdkörper. Durch seinen geringeren elektrischen Widerstand zieht das Kabel sozusagen Strom an. Es birgt daher ein erhöhtes Fehlerrisiko.
Massiver Natureingriff
Gelegentlich wird vermutet, Erdkabel seien umweltverträglicher als Freileitungen, weil man sie nicht sehen kann. Diese Sichtweise greift allerdings zu kurz. Auch Kabeltrassen sind in der Landschaft deutlich erkennbar, weil sie nicht bebaut werden dürfen und von tief wurzelnden Pflanzen freigehalten werden müssen. Ähnlich wie Freileitungen bedeuten auch Kabeltrassen einen dauerhaften Eingriff in die Natur. Um die gleiche Übertragungskapazität wie bei einer Freileitung zu erreichen wären mehrere parallele Kabelsysteme erforderlich. Die dafür erforderliche Trasse wäre bis zu 15 Meter breit.
Drainageeffekte und Wärmeentwicklung des Kabels führen zu einer Austrocknung des Bodens im Trassenbereich. Auf der Höchstspannungsebene können Kabel zudem nicht einfach „untergepflügt“ werden. Daher werden umfangreiche Aushubarbeiten für die Verlegung der Kabel erforderlich. Die Erdbewegungen betragen dabei ein Vielfaches dessen, was für die Errichtung einer vergleichbaren Freileitung notwendig ist.

